Für den erfolgreichen Schriftsteller Mort Rainey ist jede Geschichte ein Fenster in eine andere Welt. Doch manche Fenster sollten besser nie geöffnet werden ...
Mort Rainey durchlebt gerade eine schwere Zeit. Nachdem er seine Frau Amy in flagranti mit einem Anderen erwischt hatte, ließ er sich scheiden und zog hinaus aufs Land in ein einsames Haus. Eines Tages taucht vor seiner Tür ein mysteriöser Mann auf, der sich als John Shooter vorstellt und Mort beschuldigt, eine seiner Geschichten gestohlen zu haben. Obwohl sich Mort sicher ist, dieses Missverständnis schnell aufklären zu können, indem er Shooter einfach die Originalversion seines Scripts zeigt, die bereits zwei Jahre vor der von Shooter erschienen ist, misslingt dieser Versuch: Denn der psychotische Fremde hat ihm ein Zeitlimit gesetzt und das Original ist nicht mehr auffindbar. Außerdem geschehen plötzlich eine Reihe merkwürdiger Dinge, die Mort daran hindern, noch rechtzeitig an das Gesuchte heranzukommen. Nun versucht er herauszufinden, wer Shooter tatsächlich ist und ob er für all die eigenartigen Geschehnisse verantwortlich ist.
Nach einer Vorlage von Stephen King inszenierte Produzent und Drehbuchautor David Koepp (Panic Room) einen packenden, nervenzerreißend spannenden Horror-Thriller mit exzellenter Besetzung: Neben Johnny Depp (Der Fluch der Karibik) agieren John Turturro (Die Wutprobe), Maria Bello (Auto Focus) und Charles S. Dutton (Gothika).
Regisseur David Koepp über seine Faszination am Thrillergenre
„DAS GEHEIME FENSTER passt thematisch sehr gut zu meinen vorangegangenen Arbeiten. Und da ich nur ein braver Kerl aus Wisconsin bin, bin ich froh, dass ich verstörende Impulse in meine Arbeit kanalisieren kann, ohne verhaftet zu werden. Ich glaube grundsätzlich, dass hinter der zivilisierten Fassade eines jeden Menschen düstere Seiten lauern. Doch wer lebt diese aus und wer nicht? Diese Frage fasziniert mich, und ich bin sicher, dass es dem Publikum ebenso geht.“
Ein weiterer Bestandteil von Koepps Inszenierungsstil ist die Arbeit mit detaillierten Storyboards, die Koepp täglich an ein so genanntes „Big Board“ heftete (eine Reminiszenz an Stanley Kubricks Dr. Strangelove). „Suspense-Sequenzen funktionieren nur“, sagt der Regisseur, „wenn die Einzelteile exakt harmonieren. Was sieht eine Figur, und was sieht sie nicht? Wie viele Informationen darf ein Bildausschnitt enthalten, ohne zu verraten, was in der nächsten Einstellung lauert? Es ist alles eine Frage der Planung. Denn viel zu filmen und es am Schneidetisch zu kombinieren ist kein Ersatz für Stil. Ich hatte bei DAS GEHEIME FENSTER den Luxus von viel Vorbereitungszeit und konnte am Computer sogar animierte Storyboard-Folgen erstellen und mit Dialogen versehen, um den Rhythmus von Szenen zu verfeinern. Das ist eine großartige Technik, die noch vor dem ersten Drehtag zeigt, wo man zu viele oder zu wenige Einstellungen geplant hat.“
Diese genaue Vorbereitung führte zu einem reibungslosen Produktionsprozess, ohne jedoch den Raum für spontane Änderungen einzuengen. „Es gibt nichts Schlimmeres“, so Koepp, „als auf Location zu sein und zu realisieren, dass der Dreh nicht gut genug durchdacht war. Storyboards verhindern solche Sackgassen. Aber mitunter sind auch Freiheit und Einfallsreichtum notwendig, wenn ich beispielsweise merke, dass ich besser aus dem Weg zu gehen habe und die Schauspieler selbst die Regie übernehmen. Dann muss ich nur aufpassen, dass die Kamera richtig steht und die Kreativität der anderen einfängt.“
Koepp arbeitete nach "Echoes - Stimmen aus der Zwischenwelt" zum zweiten Mal sehr eng mit Kameramann Fred Murphy zusammen, mit dem er zur Vorbereitung klassische Thriller wie "Rosemary's Baby" oder "Der Mieter" und "Beim Sterben ist jeder der Erste" von John Boorman studierte. Daraus resultierte unter anderem die Entscheidung, DAS GEHEIME FENSTER im Format Widescreen Super 35 zu drehen – eine interessante Wahl für einen Stoff, der Paranoia in geschlossenen Räumen und in der Gedankenwelt des Protagonisten thematisiert. „Ich mag das Widescreen-Format“, erläutert Murphy, „weil es Szenen öffnet und man Hintergründe auch mal ausfüllen kann, statt den Film unter der Last der Klaustrophobie zu ersticken.“
Ein Problem dieser Praxis ist lediglich, dass sich Fehler in der Szenenkomposition ungleich schwerer verbergen lassen. „Der
Film zeigt zu großen Teilen einen Mann, der allein in seinem Haus ist“, erläutert Koepp. „Und um visuelle Barrieren zu überwinden, hat Fred häufig mit Reflektionen gearbeitet. So ist DAS GEHEIME FENSTER in vielerlei Hinsicht ein Film der Spiegelungen: Charaktere blicken in ihr Inneres und mögen nicht unbedingt, was sie dort finden. Indem wir viele Spiegel in Morts Haus angebracht haben, wird seine eigene Reflektion auch optisch auf ihn zurückgeworfen. Aber man muss vorsichtig arbeiten. So sehr Spiegel Räume öffnen können, so leicht kann man in einer komplizierten Komposition auch feststellen, dass plötzlich die Crew zu sehen ist.“ Murphy fährt fort: „Eine der Schwierigkeiten mit Einstellungen durch Spiegel oder Fenster sind die Veränderungen des Lichts, denn Reflektionen sind automatisch dunkler und müssen durch unsere Lichtsetzung angepasst werden.“
Koepp und Murphy arbeiteten des Weiteren mit sorgsam choreographierten Kamerafahrten auf Kränen und Schienen, um allmählich Morts Dämonen zu offenbaren. In einer Sequenz mit einem so genannten Technocrane-Shot fährt die Kamera sogar durch Morts Wohnzimmerspiegel, schleicht durch die Hütte und endet erst in der Auffahrt. Dabei wurde das Filmmaterial bearbeitet, um stärkere Grobkörnigkeit zu erreichen, während Rückblenden in Morts glückliche Zeiten mit Amy in ein sonniges Licht getaucht sind.